Pädagogik

Die Projektmethode und die sechs Elemente pfadfinderischer Pädagogik

Eine Hauptmethode unserer Gruppenarbeit ist das Projekt. Im Rahmen dessen wird es durch die sechs Elemente pfadfinderischer Pädagogik gestaltet. Die Projektmethode ermöglicht es uns in jeder Altersstufe wichtige Interessensschwerpunkte nach dem Grundsatz der Kindermitbestimmung selbst zu setzen. So wird eine eigenverantwortliche Planung, Durchführung, Auswertung, Dokumentation und das Feiern des Projektes zu einem aufregenden Erlebnis.
Unsere Projekte variieren je nach Altersstufe in Dauer und Ausformung der einzelnen Projektschritte. Für jede Altersstufe gibt es pädagogisches Begleitmaterial, das wertvolle Anregungen für unsere Leiterinnen* und Gruppenmitglieder bietet.

 

Wir entscheiden selbst über unsere Projektthemen…
… und übernehmen Verantwortung für ihren eigenen Fortschritt.

Wir erfahren, dass Eigeninitiative und Eigenverantwortlichkeit entscheidend für unsere Zielorientierung sind. Wir werden darin ermutigt uns selbst ernst zu nehmen, mit Ängsten produktiv umzugehen und eigenen Bedürfnissen nachzuspüren, diese zu artikulieren und Wege der Durchsetzung zu gestalten.
Für unsere Fortschritte gelten dabei unsere individuellen Maßstäbe und nicht der Vergleich mit anderen. Es soll deutlich werden, dass kreatives Lernen Spaß macht , gerade als Kontrapunkt schulischen Lernalltags.

 

In jedem Projekt werden Erfahrungen gemacht und Neues wird  dazugelernt…
… indem etwas getan wird – learning by doing.

Lernen durch Tun und Erfahrung zeigt uns Potentiale auf, schafft Selbstvertrauen, lässt ein Gespür für eigene Grenzen feiner werden und eröffnet uns zahlreiche Veränderungsmöglichkeiten. Immer wieder werden wir darin ermutigt, eigene Erfahrungen zu machen, Altes und Gewohntes anzufragen und mutig Neue Dinge auszuprobieren. Die gesammelten Erfahrungen machen wir zum Thema und werten diese aus (Reflexion). So können wir unsere Erfahrungen als Basis für eigene Entscheidungen nutzen.

 

Das Projekt wird in Kleingruppen getragen und zu Ende geführt …
…und damit Leben in Kleingruppen innerhalb der Großgruppe erfahrbar.

Innerhalb einer Gruppe (entsprechend auch bei Wochenenden, Freizeiten und Zeltlagern) gibt es oft mehrere Kleingruppen, die Mädchen verschiedener Jahrgänge umfassen:

  • In der WICHTEL-Stufe (7 - 10-jährige): Völkchen
  • In der PFADI-Stufe (10 - 13-jährige): Gilden
  • In der CARAVELLE-Stufe (13 - 16-jährige): Runden
  • In der RANGER-Stufe (ab 16 Jahren): Runden

Unsere Gruppenkonstellation verändert sich immer dann, wenn ältere Mädchen in die Gruppe einer höheren Altersstufe überwechseln und jüngere hinzukommen. Der Personenwechsel in der Kleingruppe ermöglicht einen Rollenwechsel: Jede ist mal „klein“ und auch mal „groß“. Somit werden Konkurrenzdenken und Leistungswettbewerb weitgehend ausgeschlossen.
Das Leben in der Kleingruppe ohne Gruppenleiterin* macht ein selbstbestimmtes Lernen und das Einüben von Zusammenarbeit möglich. Jede einzelne von uns kommt mit ihren Fähigkeiten anders zur Geltung. Jede kann Sprecherin* der Gruppe werden und hat so die Chance, sich im Vertreten von Interessen zu üben. Wir sammeln miteinander Erfahrungen der Gleichwertigkeit, der Einzigartigkeit, des Starkseins, der Verlässlichkeit und Solidarität, aber auch des Spaßhabens im gemeinsamen Tun.

 

Der Prozess bis zur Entscheidung der Gruppe über das Projektthema und seine Planung in Einzelschritten ist manchmal ein langer Weg…
…auf dem Entscheidungssituationen immer wieder verdeutlicht werden.

Unsere pfadfinderische Pädagogik geht davon aus, dass es wesentlich zum Menschen gehört, sich zu entscheiden. Wir werden in unserer Einzigartigkeit angesprochen und darin ermutigt, uns Entscheidungssituationen bewusst zu stellen, eigene Bedürfnisse und Interessen zur Entscheidungsfindung zu nutzen und zwischen eigenen und Gruppeninteressen abzuwägen. Wir haben den Raum uns in diesem Prozess über ambivalente Gefühle auszutauschen, um fundierte, klare Entscheidungen - als Einzelne und Gruppe – treffen, kreativ ausführen und reflektieren zu können. Darüber hinaus lernen wir, dass wir gesellschaftlich vorgesehene Rollen annehmen, ablehnen oder verändern können.

 

 Jedes Thema beinhaltet die Möglichkeit…
…zur Entfaltung schöpferischer Fähigkeiten.

Die Gruppe ist ein Ort der Entwicklung schöpferischer Fähigkeiten. Im Projekt schaffen wir eine Atmosphäre in der es möglich wird, ohne Erfolgszwang Neues auszuprobieren. Das heißt, der Phantasie in der Gestaltung des Zusammenlebens in der Gruppe Raum zu geben.
Dieses Element spricht uns ganzheitlich an. Wir können unsere eigene Kreativität, Spaß und Talente aufspüren. Wir können ein positives Körpergefühl entwickeln und lernen den Umgang mit uns selbst als Kreativität zu begreifen. Rolle neu zu füllen, den eigenen Lebensweg zu formen und einen für uns realistischen Leistungsanspruch auszubalancieren wird in der Projektarbeit möglich.

 

Das gewählte Projektthema bietet immer Anlass …
…zur aktiven Auseinandersetzung mit unserer Umwelt.

Das Gruppenleben findet nicht losgelöst von unseren konkreten Lebenssituationen statt. Daher sind unsere konkreten Lebenslagen immer Gegenstand der Gruppenarbeit. Die Gruppe bietet uns Austauschmöglichkeiten zur Verarbeitung alltäglicher Erfahrungen, zur Solidarisierung und gegenseitigen Rückenstärkung.
Unsere Struktur lässt unser Gespür für unsere Rechte als Mädchen* und Frauen* in der Gesellschaft wachsen. Bei Unternehmungen und Projekten erfahren wir uns als Handelnde, die gemeinsam ein Stück Wirklichkeit verändern können. Wir werden dazu angeregt, uns mit Geschichte, Kultur, Politik, Kirche und Gesellschaft auseinanderzusetzen, die Rollen von Frauen* in diesen Bereichen kennenzulernen und kritisch zu hinterfragen.